• Dehydration: Der Feind Nummer 1 im Outback

    Vergesst Schlangen. (Wir haben in 6 Wochen im Outback gerade mal eine gesehen – und die war schneller weg als man ‘Gib mir die Kamera’ sagen kann.)
    Vergesst Spinnen. (Keine einzige gefährliche Spinne bisher.)

    Euer größter, gefährlichster Feind ist nicht auf dem Boden, unter Gras, hinterm Busch oder in einem abgebrannten Baumstumpf zu finden.

    Die größte Gefahr sitzt hoch über Euch am Himmel und grillt Euch langsam aber sicher durch.

    Was passiert bei Dehydration

    Dehydration (Austrocknen? Entwässerung?) kommt langsam aber sicher. Ihr schwitzt mehr, als Ihr wieder reinschüttet. Das hat mehrere unangenehme Konsequenzen (von einem Nicht-Mediziner erklärt):

    • Wenn das Wasser in Euch alle ist, schwitzt ihr weniger effizient. Ihr braucht das Schwitzen aber, um Euch zu kühlen. Ohne Schwitzen kein Kühlen – Eure Kerntermperatur steigt und ihr fangt innerlich an, zu kochen. (So sterben übrigens die meisten Leute auf Uluru – sie legen sich auf den heissen Stein und kochen sich selbst durch.)
    • Wenn Ihr nicht mehr in Euch reinkippt als Ihr schwitzt, dann kommt keine Flüssigkeit mehr in den Nieren an. Die Nieren brauchen aber das Wasser, um den ganzen Dreck, den Ihr so zu Euch nehmt auszufiltern. Kein Wasser, kein filtern in den Nieren. Das Gift bleibt im Körper.
    • Euer Hirn braucht fünf verschiedene Antriebsstoffe, um zu funktionieren: Sauerstoff, Zucker, Wasser, Freiheit und Rock ‘n Roll. Wenn ihr durch’s Outback fallt, ist Freiheit und Sauerstoff meist gegeben. Rock ‘n Roll ja hoffentlich auch. Zucker sollte auch soweit kein Problem darstellen, wenn Ihr was gegessen habt. Also bleibt noch Wasser. Wenn die Flüssigkeit auf dem Weg von Eurem Magen zur Birne aber aus den Achseln rausläuft, kommt kein Wasser im Hauptrechner an. Das ist schlecht.
    • Durch Schwitzen verliert der Körper Mineralien und Elecrolyte.

     

    Symptome von Dehydration

    Die Symptome von Dehydrierung treten ungefähr in dieser Reihenfolge auf:

    • Schwindelgefühl
    • Extremes Schwitzen
    • Erhöhter Puls
    • Kopfschmerzen
    • Knallgelber Urin
    • Übelkeit
    • Erbrechen
    • Krampfanfälle
    • Verlust des Bewusstseins
    • Tod

    Bis zur Übelkeit habe ich die Leiter schon durch – gestern hab ich beim Pinkeln überlegt, ob ich gelbe Textmarker herstellen sollte. Die Tinte hatte ich quasi schon.

    Vorsorge: Wie man Dehydration verhindert

    Ja Logo! Ist doch klar! Viel Trinken! HA. Da wärd Ihr auch drauf gekommen.
    So einfach ist es aber nicht.
    Hier unsere outbackerprobten Tipps (auf Basis der Empfehlungen diverser National Parks in Australien):

    • Vergeßt 3l pro Tag und Person. Hier gilt: Mindestens 1 Liter pro Person pro Stunde.
    • Ihr könnt nicht nur beim Wandern oder beim Sport dehydrieren. Ich hatte meine schlimmsten Tage nach 6h hinterm Steuer. Solange die Sonne hoch im Himmel steht – 1 Liter pro Stunde.
    • Der Liter sollte gleichmäßig über die Stunde verteilt werden, also mindestens alle 15 Minuten 250 ml trinken – besser noch häufiger. Am besten geht es mit einem Camelbak – alle 5 Minuten 5 Schluck. Alternativ: kauft Euch Literflaschen – dann habt Ihr immer den Überblick (trinke ich schon an der 15:00 Flasche oder noch an der 14:00 Flasche?)

    Trinkt nicht nur Wasser. Irgendwo muss ja Power (Zucker) und Mineralstoffe ja herkommen. Wir trinken immer abwechselnd Wasser und Gatorade (Pulver für $12 aus dem Supermarkt zum selbst mischen). Hin und wieder auch mal ne Cola oder anderes Zuckerwasser – aber nicht zu viel, sonst ist der Effekt umgekehrt und ihr entwässert Euch mit Coca Cola!

    Unsere Auftankstation - Befüllung mehrmals am Tag!

    Unsere Auftankstation – Befüllung mehrmals am Tag!

    Zusätzlich natürlich: Im Schatten laufen, stehen, liegen oder sitzen wenn es geht. Und immer was auf die Birne – am Besten mit breiter Krempe (Schatten) und Löchern (Belüftung). Der Kopf ist das empfindlichste Körperteil, was Temperatur angeht. Man kühlt im Winter am schnellsten durch den Kopf aus – im Sommer braucht man die Birnenbelüftung, um mit der Hitze umzugehen.

    Es ist eigentlich ganz einfach: Wenn Ihr alle 1-2 Stunden pinkeln müsst und das, was da aus Eurem Körper rauskommt, farblos ist, dann seid Ihr nicht dehydriert.

    In allen anderen Fällen schon.

    Mist, dehydriert. Und jetzt?

    Kommt natürlich auf die Schwere an.

    Bei Schwindel, Kopfschmerz, gelbem Pipi und Übelkeit: Ruhe, hinlegen oder hinsetzen, Wasser auffüllen, Körper runterkühlen.

    Bei Erbrechen oder Krämpfen: Hinlegen, und zwar auf einen kühlen Untergrund im Schatten mit Füßen hoch.
    Langsam Wasser oder Gatorade trinken. (Im Kakadu National Park wird sogar darauf verwiesen, dass man in diesem Falle irgendein Wasser aus dem nächsten Bach nehmen kann. Finde ich nachvollziehbar, weil man hier schon ernsthafte Erste Hilfe leistet, d.h. es geht erstmal darum, die Dehydrierung zu Bekämpfen. Wenn man sich dabei irgendwas einfängt kann man sich später noch darum kümmern.)
    Arzt aufsuchen, sobald möglich.

    Bei Verlust des Bewusstseins ist volles Erste Hilfe Programm angesagt bis der Patient mit ner Infusion am Arm lächelnd in einem klimatisierten Krankenhauszimmer liegt. Das kann auch heissen, dass man die Königlichen Fliegenden Doktoren rufen muss, wenn man mitten im Nichts ist. Wegen Dehydrieren ein Flugzeug zu rufen ist zwar so peinlich, wie den ADAC zu rufen, weil man nicht dran gedacht hat, zu tanken.

    Aber ich persönlich bin lieber am Leben und blamiert als tot und selbst dran schuld.

    Passiert ja kaum, oder?
    Vergesst es. Es passiert.
    Das erste Mal war ich dehydriert, als ich 2003 um Ayers Rock herumgelaufen bin. Es war gar nicht so heiss, eher angenehm. Ich hatte in 4h 2.5 Liter Wasser getrunken, was mir echt viel vorkam.
    Dann stand ich auf dem Parkplatz, hatte einen Puls von 180 und alles drehte sich und ich saß auf einmal auf meinem Hintern auf dem Boden.
    Der Tag, der Abend und der folgende Tag waren gelaufen.

    Beim aktuellen Trip hatte ich nun auch schon ein paar Tage, an denen ich abends nebem unserem Camper saß und auf einmal merkte, wie ausgetrocknet ich eigentlich bin und dass dieser alberne Camper einfach nicht still stehen will. Und das, obwohl ich hier selten unter 5l trinke – mehr, wenn wir wandern.

    Es geht ganz schnell, sogar wenn man aktiv aufpasst. Wenn man sich nicht drum kümmert ist es fast schon sicher.

    In den letzten Tagen war es eher so, dass wir abends immer dehydriert waren – wenn wir wirklich hinterher waren etwas weniger als wenn wir nicht aufgepasst haben.

    Übrigens hilft Bier leider nicht. Glaubt’s mir – ich hab’s probiert. Nach ein paar unerfreulichen Tests bin ich nun dazu übergegangen, jeden abend pro Bier 500 ml Gatorade dazu zu trinken. Dann muss man zwar 1-2x die Nacht raus, aber man kann noch aufrecht stehen (meistens).

    Ist am Morgen danach deutlich angenehmer.

    Und Ihr? Schonmal dehydriert? Wie sorgt Ihr vor?