• Nimbin – Warwick – Dalby: Internet und Waschtag

     

    Was abends noch ein schöner Campingplatz mit Sternenhimmel war entpuppte sich über Nacht als Eisschrank.
    Kennt Ihr das, wenn man schläft bzw. nicht schläft, weil einen irgendwas stört (man muss pinkeln, ein Moskito will ständig Liebe mit Eurem – zugegebenermaßen ziemlich erotischen – Ohrläppchen machen, etc.)? Statt aufzustehen und sich des Problems anzunehmen, bleibt man liegen. Man hofft wieder einzuschlafen. Man sagt sich mit der bestechenden Logik des Halbschlafs, dass man ja bis jetzt auch geschlafen hat und dass man bestimmt einfach nur liegen bleiben muss und dann geht das von alleine weg.
    Natürlich geht’s nicht weg.
    Aber man steht auch nicht auf und verbringt Stunden im miserablen Zustand zwischen Hoffnung und genervt sein, wirft sich 100x mit dem Kopf ins Kissen, bis man endlich aufgibt.
    So ungefähr war meine Nacht. Gegen Mitternacht muss ich gemerkt haben, dass es schweinekalt ist. Um 4 hab ich aber erst die Fenster zugemacht. Das sollte sich sehr bald rächen.
    Wir haben zwar noch keinen einzigen Koala gesehen (zum Glück auch nicht als Roadkill), aber das heisst ja nicht, dass wir nicht vom Tierreich lernen können. Wir lagen unter unserer tollen Kuscheldecke (die wir im TCC Depot in Sydney im Schrank gefunden und kurzerhand adoptiert hatten) in einer Mischung aus Koala-Huckepack und Würgeschlange bereitet Wildschwein fürs Runterschlucken vor. Unter der Decke waren 30 Grad. Ausserhalb 8. Ich glaub’ wir haben unseren 5:55 Uhr Wecker (Rolling Stones – Start me up!) 10 mal weitergedrückt. Es war so kalt da draussen und so warm hier drin. Scheiß’ auf’s Aufstehen. Was kann’s da draußen schon geben, was mit der Wärme hier unter der Decke mithalten kann?
    Irgendwann konnte ich mich dem Drücken der Blase nicht mehr verschließen und hüpfte aus dem Bett. In den 20 Zentimetern Flug zwischen Bettdecke und kalten Boden zog ich Hose, Socken, Schuhe, Pulli, noch einen Pulli und eine neue Wollmütze quasi in einer Bewegung an.
    Verpennt schaute ich aus dem Fenster um Beweise zu finden für meine Theorie, dass Aufstehen völlig überwertet ist.
    Ich schaute direkt in die neugierigen Augen eines Kängurus, das 30 Meter vom Wohnmobil entfernt auf der Wiese stand und sich gedankenverloren an der Nase kratzte. Kerstin sprang in hohem Bogen aus dem Bett und streifte sich im Flug in einer ähnlichen Ninjabewegung die Brille über (alles andere hatte sie schon an – der Grund, warum ich 12h später erkältet war und sie nicht). Das Känguru schaute uns an, dann nach oben als ob ihm gerade eingefallen war, dass die Milch alle war und die Läden nicht mehr lange aufhaben und hoppelte grazil in langen, geduldigen Sprüngen über das lange Gras davon.
    Um 8 sind wir wieder auf der kurvigen Landstraße, die uns durch die Berge zu diesem wunderschönen National Park gebracht hatte. Nach und nach werden die Berge zu Hügeln und die Straße immer breiter, bis wir nach Warwick kommen.
    Hier packen wir das iPhone aus und suchen uns einen Laundromat, denn heute ist Waschtag.
    Wir parken, packen die Klamotten aus, mit deren Geruch man ohne Probleme einen kleinen bewaffneten Konflikt für sich entscheiden könnte und besorgen uns 1$-Münzen für die Waschmaschinen.
    Normalerweise haben wir ja nicht unbedingt traditionelle Geschlechterrollen, aber heute wird es neoklassisch: Kerstin bleibt im Waschsalon und ich suche Internet.
    Der einzige verlässliche Anbieter von kostenlosem Internet hier, den wir bisher gefunden haben, ist McDonald’s. Als ich auf den Parkplatz fahre ploppt schon das WLAN im iPad auf. Soweit so gut.
    Ich geh rein und – weil sich das so gehört – kaufe einen kleinen BigMac (is ja auch schon mittag!) und baue mein Büro auf.
    Um’s kurz zu machen: Nichts geht. Keins der Gadgets krieg ich online. Und weil ich doof bin ist das MacBook eh nach 5 Minuten leer und keine Steckdose in Sichtweite.
    Ich packe meinen Kram und suche mit Hilfe des iPhones ein Internetcafé. Dann zahl ich halt für’s Internet, aber irgendwie muss man doch die Blogs online kriegen, die ich hier auf dem Beifahrersitz quasi direkt aus meinem Herz in’s Notebook kippe.
    Ich fahre 3x links und stehe vor dem Internetcafé. Und auch vor dem Waschsalon in dem Kerstin ist. Denn offenbar wurde das Internetcafe aufgegeben und in einen Waschsalon verwandelt, was google maps aber noch nicht weiß.
    Mit Waschen und Trocknern sind wir in 2 Stunden fertig und es geht weiter. Wenn wir keinen McD finden, nehmen wir uns halt einen Caravan Park mit Internet!
    Schnitt, 3h später stehe ich an der Rezeption eines großen Caravan Parks, dem “Tourist Park” in Dalby. 38$ kostet das hier, happig, aber für eine Nacht Internet ist es mir dass wert.
    Der nette Ausssie schiebt mir das Wechselgeld und den Kloschlüssel zu und verkündet mit einem Lächeln “Oh, by the way mate, our internet has been broken forever. Caused us nothing but grief anyways. Damn Technology. Anyways, have a great night!”.
    Schnitt, 90 Minuten später. Wir sitzen im McDonald’s Dalby mit unseren Computern. Ich schlürfe Tee, bin eingemummelt wie ein Polarforscher,die australischen Kinder in Shorts und Achselshirt zeigen mit Fingern auf mich, ich versuche die Kopf- und Halsschmerzen zu ignorieren und ein paar Blogs hochzuladen. Das Internet ist auf 50mb Datenübertragung begrenzt. In 29 Minuten werde ich herausfinden, dass die Verbindung alle halbe Stunde getrennt wird und dass ungesicherte Änderungen dann weg sind. eine Stunde später werde ich herausfinden, dass das Netzwerk zur Sicherheit 4 von 10 Dateien (Fotos), die man hochlädt kaputt macht.
    Kerstin schreibt an diesem Abend in ihr Tagebuch, dass ich unleidig war.
    Ich schaffe es, 2 Blogs mit Fotos hoch zu laden und niemanden zu erwürgen.
    Auf dem Weg zurück zum Campground holen wir uns eine kleine Pizza und teilen sie uns.
    Jetzt eine lange Nacht Schlaf und morgen ist alles besser. Oder?
    Gefahren: Nimbin – Warwick – Dalby: 338 km
    Gegessen: Sandwich, Bigmac, Pizza. Don’t try this at home.
    Getrunken: Wasser. Viel Wasser.
    Gesehen: Unser erstes lebendes Känguru!
    Gehört: BAP – Waschsalon