• Pizza und Nutten in Kalbarri

    Kalbarri ist eine (gar nicht mal so kleine), schnuckelige Stadt am Meer in Western Australia. Wenn man durch die Steppe vom Norden kommt biegt man rechts ab und auf einmal verändert sich die Landschaft. Statt Spinifex stehen hier Unmengen von Büschen, Bäumen und Wildblumen, statt vereinzelten Kühen ist die Landschaft auf einmal mit Hunderten von Schafen vollgestopft.

    Auf dem Weg nach Kalbarri fahren wir durch den Kalbarri National Park, einer leicht bergigen Ebene über und über mit blühenden Wildblumen und Büschen bedeckt. Alle paar Kilometer gibt es einen “Tourist Lookout” – aber wo man von anderen Lookouts beeindruckende Aussichten erwartet, sind “nur” bunte Blumen am Straßenrand.

    Kalbarri ist das offensichtliche Ende dieser Wüstenetappe unserer Reise und wir suchen uns ein Restaurant, weil es spät ist, weil wir nicht einkaufen waren und weil wir am verhungern sind.

    An der Esplanade, direkt am Wasser, steht ein großes Zelt auf dem “Gourmet Pizza” steht. Es ist ein Familienrestaurant, ziemlich voll, die Gäste sind zwischen 5 und 95: Familien, ältere Ehepaare, Touristen, Straßenarbeiter. Ein bunter Haufen.

    Wir bestellen uns Pizza und setzen uns, um den Tag mit einem kalten Bier runterzuspülen.

    Während die ersten Schlucke des Hahn Super Dry meine Kehle herunterlaufen schaue ich mich um. “Sag mal”, sag ich zu Kerstin, “fällt Dir hier was auf?”

    “Ich dachte schon es liegt an mir” sagt sie.

    Am Nebentisch sitzen zwei junge Asiatinnen in Tanga, BH und kurzem, durchsichtigem Netzkleidchen.

    “Die Mädels arbeiten doch hier, oder?”

    Wir beobachten und trinken und diskutieren. Ist von Vorteil, wenn man eine eigene Sprache hat. (Wobei das auch oft genug schief geht und peinlich wird, wenn man auf Deutsch über Leute redet). Wir sind uns nicht sicher, aber nach wenigen Minuten steht am Nebentisch eine Blondine auf, die nur einen Pullover trägt, der 4mm unter den Regionen aufhört, die man nichtmal in Australien im Restaurant zeigen darf. Sie stellt sich in die Ecke und raucht eine, woraufhin ihre Kolleginnen ebenfalls von ihren Tischpartnern (50+, Straßenabeiterkleidung, untersetzt) ablassen und sich zu ihr stellen.

    Ich frequentiere keine Etablissements, in denen die Damen dieser (vermeintlichen) Berufslaufbahn arbeiten. Aber ich war schon auf ein paar Junggesellenabschieden, die in entschärften Stripclubs in Frankfurts Bahnhofsviertel führten. Und genau so wie hier kreisen die Mädels dort um die Tische, sprechen an, lassen sich einen Drink kaufen und treffen sich nach einem erfolglosen Streifzug wieder im Raucherbereich.

    Mich persönlich stört es nicht – die Mädels scheinen niemanden zu stören und sind nur eben etwas eindeutig gekleidet.

    5 Minuten später kommt die Besitzerin des Familienrestaurants und setzt sich neben die Mädels. Spricht eindringlich und ruhig mit ihnen. Steht wieder auf und geht. Die Mädels sind etwas perplex und man merkt, dass sie warten, was nun wohl noch kommt.

    “Ich glaub, die Mädels sind grad rausgeflogen” sage ich zu Kerstin, als die Besitzerin wieder kommt. Mit Jeans und Pullovern in der Hand, die sie an die spärlich bekleideten Mädels aushändigt während sie ihnen etwas von Seeluft und Erkältung erzählt.

    Australien.

    No Worries, Mate!