• Whale watching – mit Boot und mit Glück

    Sind wir mal ehrlich: Kerstin und ich, wie haben beide keine Seemannsbeine. Zwar gehts bei mir oft etwas besser, weil ich trotziger bin, aber das war’s auch schon. Beim Tauchen, Fischen und was man sonst so auf dem Wasser machen muss sitzen wir meistens grün im Gesicht in irgendeiner Ecke. Wenn wir Glück haben mit dem Blick Richtung Boot, nicht über der Reling ins Wasser gerichtet.

    Aber, wie blöd wär das denn, wenn wir uns damit die Aktivitäten versauen ließen. Nee, Freunde, soweit kommt’s noch.

    Als wir in Perth waren, wollten wir Wale Gucken. Blau-, Buckel- und “Southern Right” Wale aalen sich nämlich genau jetzt vor der Küste auf dem Weg in die Antarktis. Weil sie ihre frisch gekalbten Wälchen dabei haben schwimmen sie auf dem Weg nach Süden richtig schön nah an der Küste entlang: Perfekte Situation zum Walschauen also.

    Während wir in Perth waren, bekamen wir ja wettermäßig gut was geboten. Zwischen 30° und Sonnenschein, Spontangewittern und schweinekalter Brise war alles dabei. Entsprechend wurden auch die Waltouren die ersten Tage erstmal wegen Seegang abgesagt. “Aber meldet Euch nochmal. Wenns morgen etwas weniger schlimm ist fahren wir übermorgen raus.”

    Prima. Etwas weniger schlimm als unbefahrbar. So stelle ich mir das perfekte Meer vor.

    Es kam wie es kommen musste, es wurde etwas weniger schlimm als fatal und wir fuhren Walgucken. 4 Stunden lang. Man bekommt von den Veranstaltern eine Walsichtungsgarantie: Wenn man keinen Wal sieht, darf man am Tag rauf nochmal kostenlos mitfahren.

    Ihr könnt Euch vorstellen, wie sehr wir einen Wal sehen wollten.

    Das Boot hatte 5 Mann Besatzung und ca. 30 walgierige Touris an Bord als wir aus dem Hillary Hafen ausliefen. Es dauerte nicht lange, da sahen wir einen Wal. Also nicht ganz. Wir sahen etwas dunkles, rundes, das kurz aus dem Wasser schaute und aller Logik nach eigentlich nur ein Wal sein konnte.

    Die Besatzung nickte sich wissend zu. Wieder 30x keine Garantie einlösen müssen. Kerstin und ich, wir nickten uns auch wissend zu. Wal gesehen. Haken dran. Nicht nochmal auf weißen Schaumkronen durch Containerdampfer schaukeln.

    Die 4 Stunden vergingen relativ schnell und (auch dank spezieller Kaugummis) ohne weitere Vorkommnisse. Wir sahen einige Wale, leider aber keinen Wal beim Springen. (Nicht ganz richtig. Einer ist gesprungen, aber der Depp mit der Kamera hatte Manuellen Fokus eingestellt und … naja, ihr findet das Foto bestimmt selbst … )

    Ich war mit den Fotos der Walflosse vor der Skyline zufrieden und damit war Walgucken abgehakt.

    Oder?

    Ein paar Tage später stolperten wir am Cape Naturaliste herum. Am Horizont sahen wir einen Leuchtturm, aber so sehr wir auch suchten, wir fanden den Weg ZUM Leuchtturm nicht.

    Also taten wir, was wir in dem Fall immer tun: Wir liefen einfach mal so drauflos um zu schauen, was wir so finden.

    Neben Blümchen und schönen Wanderwegen gab es eigentlich nichts Spannendes. Am Ende eines Wanderwegs war ein “whale lookout” angeschlagen. “Ach was, da sieht man bestimmt nichts” sagte ich zur Chefin. War auch nicht der erste Whale Lookout, der uns angepriesen worden war.

    Als wir um die Ecke kamen hörten wir merkwürdige Geräusche. Eine kleine Menschenmenge machte OOOHHHH AAAAHHHH und klatschte. Zwei Sekunden später tat es einen Schlag, wie wenn eine Kanone unter Wasser abgefeuert wird. Wir rannten um die Ecke. Auf einer kleinen Plattform stand eine Großfamilie, die Gesichter verzückt von dem Schauspiel, das sich ihnen bot.

    Vor der Küste waren massenweise Wale. Ohne Problem konnte man fünf, sechs, sieben Buckelwale gleichzeitig sehen, wie sie aus dem Wasser sprangen, vorwärts und rückwärts. Wie Mütter ihren Kindern das Springen zeigten und die Kinder es nachmachten. Wie zwei bis drei Wale gleichzeitig, wie choreographiert sprangen.

    Die große Linse kam auf die Kamera und der Zeigefinger blieb unten.

    “I’ve been here so many times” sagte ein älterer Herr ein paar Minuten später. “I’ve never seen a whale!”

    Nach mehr als einer Stunde mussten wir uns richtiggehend losreißen von dem Schauspiel, damit wir noch im Hellen zum Campingplatz kamen.

    Grandiose Vorstellung!